Traditionelle chinesische Medizin - Seite 1/4

Was ist Akupunktur?

Was geschieht bei der Akupunktur Die Akupunktur ist eine Heilmethode zur Behandlung innerer und äußerer Erkrankungen, ungenügender Körperleistungen und funktioneller Störungen über bestimmte Punkte der Hautoberfläche. Durch Einführen von feinen Nadeln in diese Akupunkturpunkte kommen Heilreize zustande, die auf dem Nervenwege an entfernte Körperstellen oder in tiefer gelegene Organe gelangen und dort eine Umstimmung herbeiführen.

Nach chinesischer Auffassung kann eine Störung des Yin-Yang Gleichgewichts im Körper eine Krankheit verursachen. Wenn die Energieverhältnisse nicht ausgeglichen sind, versorgen zirkulierende Energien bestimmte Körperpartien oder Organe zu viel oder zu wenig. Die Yin-Yang-Kräfte kontrollieren sich normalerweise gegenseitig und halten sich im Gleichgewicht. Dann kann das Qi, die kosmische Energie des Lebens, ungehindert durch den Menschen fließen. Zuviel Yin hingegen bedeutet Symptome wie Blässe, kalte Extremitäten, verlangsamten Puls, zuviel Yang kennzeichnet Fieber, rasenden Puls, Unrast und hochroten Kopf.

Was geschieht bei einer Behandlung?

Der Patient wird vom Arzt nach seinen Beschwerden befragt und entsprechend untersucht. Auch während dieser Befragung und im Verlaufe der Therapie werden vom Therapeuten die sichtbaren Veränderungen registriert, die Störungen, Krankheiten oder operative Eingriffe auf der Körperoberfläche hinterlassen haben. An vom Arzt ausgewählten Punkten werden auf verschiedenen Meridianen sterile Silbernadeln angebracht. Das Durchstechen der Haut geschieht mit einer bestimmten Technik, so dass der Eingriff vom Patienten als nicht schmerzhaft beschrieben wird.

Die Akupunkturnadeln werden je nach Behandlungsprogramm für 20-40 Minuten belassen. In besonderen Fällen verwendet man sogenannte Dauernadeln, die länger in der Haut verbleiben. Jede eingebrachte Nadel wird vom Organismus als verletzender Fremdkörper erkannt. Die Reaktion, als Antwort auf diese Erkenntnis, ist entsprechend. Der Körper leitet ein Sofortprogramm ein, welches im Sinne von Abwehr und Aufrüstung angelegt ist. Durch die gezielte kleine Verletzung an ausgewählten Punkten werden die geistigen und körperlichen Abwehrkräfte mobilisiert, Blut und Energieströme werden je nach Bedarf umgeleitet, gebremst, gefördert oder neu aufgebaut. Schlecht versorgte Gelenk- und Organsysteme werden wieder versorgt. Überversorgte oder gestaute Körperpartien werden entlastet. Es kommt zu einem gleichmäßigen Energiefluß, Schlacken werden abgeschwemmt oder ausgeschieden, degenerativ veränderte Körperregionen werden wieder versorgt und in das Gesamtsystem integriert.

Durch das Anbringen von Schröpfgläsern und durch das Verbrennen von zerriebenen Beifußblättern über bestimmten Akupunkturpunkten wird der Aufbau des Energieflusses weiter unterstützt.

Akupunkturpunkte

Akupunkturpunkte Im Laufe der Jahrhunderte haben die Chinesen mehrere hundert Hautpunkte entdeckt, von denen aus bestimmte Körperstellen bzw. innere Organe beeinflußt werden können. So gibt es z.B. spezielle Behandlungspunkte für Erkrankungen des Magens, der Leber, der Nieren, für Herz und Kreislauf, sowie für Augen, Ohren, Nase und Schilddrüse oder Unterleibsorgane. Andere Punkte haben eine Wirkung auf die Psyche.

361 Akupunkturpunkte bieten dem Arzt Zugang zum Qi. Alle diese Einstichstellen kennzeichnet , dass es sich um wenige Millimeter tiefe „Kamine“ oder „Löcher“ in dem Gewebe zwischen Haut und Muskeln handelt, durch die sich Bündel von Blutgefäßen und Nerven ziehen.

Organstörungen äußern sich an den Akupunkturpunkten häufig als spontaner Schmerz oder als Druckempfindlichkeit. Die Haut und das darunterliegende Gewebe zeigen dann an dieser Stelle eine andere Beschaffenheit als die Umgebung. Auf dem gleichen Reflexwege, auf dem die Organstörung sich in den Akupunkturpunkt projiziert, gelangt der Nadelreiz von der Haut zu dem erkrankten Organ, wo es zur Heilwirkung kommt.

Meridiane und Körperenergie

Die Meridiane sind hypothetische Linien, die in der Längsrichtung des Körpers verlaufen und Punkte von ähnlichen Eigenschaften miteinander verbinden. Jeder Meridian entspricht einem Organ bzw. einer Organfunktion, wonach er benannt wird. So gibt es einen Meridian des Herzens, des Dünndarms, der Blase, des Kreislaufs der Lunge, des Magens usw.

In diesen 12 Meridianen fließt nach chinesischer Auffassung ein ununterbrochener Energiestrom, der sich über den ganzen Körper gleichmäßig verteilt. Wird dieser Energiestrom an einer oder mehreren Stellen gestört, entsteht in einigen Körperstellen ein Überschuß, in anderen ein Mangel an Energie. Eine solche Verschiebung des energetischen Gleichgewichts ist die Ursache für die Entstehung der Krankheiten. Es ist daher Aufgabe des Arztes in erster Linie das Gleichgewicht der Kräfte im Körper wiederherzustellen.

Wie wir heute wissen, reguliert das vegetative System die Funktionen sämtlicher Organe und sorgt für deren harmonische Zusammenarbeit. Mit der Nadeltherapie kann die regulierende Tätigkeit der vegetativen Nerven und übergeordneten Zentren wirksam beeinflußt werden. Dabei wird ein Ausgleich in der unterschiedlichen Tonuslage ihrer beiden Anteile, dem Vagus und dem Sympathikus geschaffen. Es liegen ferner einwandfreie Beweise dafür vor, dass die Akupunktur die Hormonbildung der innersekretorischen Drüsen anregt und die Abwehrleistung des Organismus verbessert. Mit der Mobilisierung seiner Eigenkräfte wird der Körper durch die Akupunktur in seinen Selbstheilungsbestrebungen unterstützt und in seine natürliche Ordnung zurückgeführt. Dies geschieht ohne irgendwelche schädlichen Nebenwirkungen.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Die Anfänge der Akupunktur liegen über 5000 Jahre zurück. Heute besteht kein Zweifel mehr an der Wirksamkeit der Akupunktur und die Weltgesundheitsorganisation erstellte eine Liste mit anerkannten Einsatzmöglichkeiten.

Dass Akupunktur wirksam Schmerzen lindert und dass der Effekt vor allem durch die Penetration der Nadeln ins Gewebe hervorgerufen wird, haben Heidelberger Forscher bewiesen (vgl. Streitberger, Pain83, 1999). Ebenso nahmen Kopfschmerzen laut der Forschungsgruppe Akupunktur Kiel um 62% ab (vgl. ÄP, 10.12.99). Werden Patienten mit Schleudertrauma mit Akupunktur behandelt, verkürzt sich nachweislich die Therapie um ein Drittel (vgl Osteosynthese International 6, 1998, 15). Auch bei Rückenschmerzen geben 84% der Akupunkturpatienten an, dass sich ihr Zustand verbessert habe. Ebenso wurde die Wirksamkeit von Akupunktur bei Allergien, Asthma und Neurodermitis in zahlreichen Studien belegt (vgl. DÄGfA).

Eine Vielzahl von medizinisch sehr seriösen Studien und Untersuchungen hat zweifelsfrei den Nutzen der chinesischen Akupunkturbehandlung eindrucksvoll belegt.

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